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Systemanalyse

Konzept
Auch bekannt als: Systems Analysis, System Analysis
Strukturierte Untersuchung eines Systems, seiner Eigenschaften und Zusammenhänge als Grundlage für technische Entscheidungen

Systemanalyse bezeichnet die strukturierte Untersuchung eines Systems, um belastbare Informationen über seine Eigenschaften, Zusammenhänge und sein Verhalten zu gewinnen. Diese Informationen dienen als Grundlage für technische Bewertungen und Entscheidungen.

Je nach Fragestellung muss dabei nicht das vollständige System betrachtet werden. Die Analyse kann sich auf einen abgegrenzten Systemausschnitt konzentrieren und dessen relevante Komponenten, Prozesse, Zustände, Schnittstellen und Abhängigkeiten untersuchen.

Wie Systemanalyse funktioniert

Am Anfang einer Systemanalyse steht eine Fragestellung und damit die Entscheidung, welcher Teil der Realität überhaupt betrachtet werden soll.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • beteiligte Komponenten und Akteure
  • Prozesse und Zustände
  • Daten und Datenflüsse
  • Schnittstellen zu anderen Systemen
  • technische und organisatorische Abhängigkeiten
  • Anforderungen und Randbedingungen
  • bekannte Risiken und Unsicherheiten

Aus diesen Informationen entsteht ein Modell des betrachteten Systems oder Systemausschnitts.
Ein solches Modell ist nicht mit dem realen System identisch. Es bildet nur diejenigen Eigenschaften ab, die für den jeweiligen Zweck der Analyse relevant sind. Deshalb gehört zur Systemanalyse auch die Frage, welche Annahmen getroffen wurden, welche Informationen fehlen und innerhalb welcher Grenzen ein Modell gültig ist.
Systemanalyse ist üblicherweise iterativ: Neue Erkenntnisse können dazu führen, dass das Modell ergänzt, korrigiert oder die Grenze des betrachteten Systems verändert wird.

Warum Systemanalyse vor einer Lösung stehen sollte

Technische Probleme zeigen sich häufig an einer anderen Stelle als dort, wo ihre Ursache liegt.
Ein langsamer Prozess kann beispielsweise durch Software verursacht werden, aber ebenso durch eine ungeeignete Schnittstelle, doppelte Datenerfassung, organisatorische Abläufe oder eine Abhängigkeit zu einem anderen System.
Wird sofort eine Lösung entwickelt, bevor diese Zusammenhänge ausreichend untersucht wurden, besteht die Gefahr, lediglich das sichtbare Symptom zu verändern.

Systemanalyse versucht deshalb zunächst eine belastbare Grundlage für die Entscheidung zu schaffen:

  • Was wissen wir?
  • Was nehmen wir nur an?
  • Welche Teile des Systems sind für die Fragestellung relevant?
  • Welche Abhängigkeiten bestehen?
  • Welche Alternativen gibt es?
  • Welche Auswirkungen und Risiken hätten mögliche Änderungen?

Das Ergebnis einer Systemanalyse muss deshalb nicht unmittelbar eine neue technische Lösung sein. Auch die Erkenntnis, dass eine geplante Änderung unnötig, zu riskant oder an einer anderen Stelle sinnvoller wäre, kann ein Ergebnis sein.

Warum Systemanalyse praktische Auswirkungen hat

  • Bessere Entscheidungen: Änderungen können auf untersuchten Zusammenhängen statt ausschließlich auf Vermutungen beruhen.
  • Sichtbare Abhängigkeiten: Schnittstellen und Wechselwirkungen werden berücksichtigt, bevor einzelne Komponenten verändert werden.
  • Umgang mit Unsicherheit: Fehlendes Wissen und Annahmen können ausdrücklich Teil des Modells sein.
  • Vergleich von Alternativen: Unterschiedliche Lösungswege lassen sich anhand gemeinsamer Kriterien untersuchen.
  • Begrenzter Untersuchungsraum: Auch bei großen Systemen kann ein für die jeweilige Fragestellung relevanter Systemausschnitt betrachtet werden.
  • Iteratives Lernen: Das Modell kann mit neuen Erkenntnissen erweitert oder korrigiert werden.

Typisches Beispiel

Ein Unternehmen möchte ein altes Softwaresystem ersetzen.
Statt unmittelbar ein neues Produkt auszuwählen, wird zunächst untersucht, welche Aufgaben das bestehende System tatsächlich erfüllt, welche Daten darin verarbeitet werden, welche anderen Systeme darauf zugreifen und welche manuellen Arbeitsabläufe damit verbunden sind.
Dabei kann sich beispielsweise herausstellen, dass ein scheinbar unbedeutender Datenexport von einem anderen Geschäftsprozess benötigt wird oder dass Wissen über bestimmte Sonderfälle nur bei einzelnen Mitarbeitern vorhanden ist.
Die Systemanalyse liefert damit zunächst ein belastbareres Modell des relevanten Systemausschnitts.
Erst auf dieser Grundlage lässt sich sinnvoll beurteilen, welche Teile ersetzt, verändert, übernommen oder möglicherweise unverändert gelassen werden sollten.

Abgrenzung

Systemanalyse ist nicht dasselbe wie Systemarchitektur.

Die Systemanalyse untersucht ein System oder mögliche Systemvarianten und schafft Informationen für Entscheidungen. Systemarchitektur beschreibt dagegen grundlegende Strukturen, Elemente, Beziehungen und Prinzipien eines Systems.
Auch eine Anforderungsanalyse ist nur ein möglicher Bestandteil beziehungsweise angrenzender Prozess. Sie konzentriert sich darauf, Anforderungen zu ermitteln, zu strukturieren und zu prüfen.
Systemanalyse ist außerdem nicht gleichbedeutend mit einer vollständigen Beschreibung eines Unternehmens oder technischen Systems. Umfang und Genauigkeit einer Analyse hängen von ihrer Fragestellung, den verfügbaren Informationen und dem gewählten Systemausschnitt ab.

Weiterführend

Verwandte Begriffe

Systemarchitektur
Lösungsarchitektur
Systemintegration
Verifikation und Validierung
Legacy-System
Legacy-Modernisierung

Quellen

Quellen archiviert am: 2026-08-29