Lösungsarchitektur
KonzeptEine Lösungsarchitektur legt grundlegende Strukturen, Beziehungen und technische Entscheidungen für eine konkrete technische oder technisch-organisatorische Lösung einer abgegrenzten Problemstellung fest.
Sie verbindet Anforderungen und Randbedingungen mit den dafür benötigten Systemen, Komponenten, Schnittstellen, Datenflüssen und grundlegenden technischen Entscheidungen. Eine Lösungsarchitektur kann dabei mehrere bestehende und neue Systeme miteinander verbinden.
Wie Lösungsarchitektur funktioniert
Am Anfang einer Lösungsarchitektur sollte nicht die Technologie stehen, sondern eine abgegrenzte Problemstellung.
Zunächst muss ausreichend verstanden sein, was erreicht werden soll, welche Anforderungen und Randbedingungen bestehen und welche vorhandenen Systeme oder Prozesse davon betroffen sind.
Erst auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, ob und wie eine mögliche Lösung die Problemstellung und ihre Randbedingungen erfüllt.
Zu einer Lösungsarchitektur können beispielsweise gehören:
- bestehende und neue Systeme
- Softwarekomponenten und Dienste
- Daten und Datenflüsse
- Schnittstellen und Integrationen
- Netzwerke und technische Infrastruktur
- Sicherheitsmechanismen
- betriebliche Prozesse
- Migrations- und Übergangslösungen
- externe Anbieter und Dienste
Welche dieser Bereiche relevant sind, hängt von der jeweiligen Aufgabe ab.
Die Lösungsarchitektur beschreibt anschließend die wesentlichen Beziehungen zwischen diesen Bestandteilen und die grundlegenden Entscheidungen, die für die Umsetzung der Lösung notwendig sind.
Vom Problem zur Lösung
Eine Problemstellung legt ihre technische Lösung nicht automatisch fest.
Wenn beispielsweise Daten aus einem alten System in einer neuen Anwendung benötigt werden, kann es unterschiedliche Möglichkeiten geben: Das alte System kann erweitert, eine Schnittstelle geschaffen, ein Export verwendet, eine Datenmigration durchgeführt oder das System vollständig ersetzt werden.
Bevor eine dieser Varianten zur Architektur der Lösung wird, müssen ihre Auswirkungen und Randbedingungen untersucht werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- Welche vorhandenen Systeme sind betroffen?
- Welche Abhängigkeiten bestehen?
- Welche Daten müssen erhalten bleiben?
- Welche Schnittstellen existieren bereits?
- Welche Sicherheits- und Betriebsanforderungen gelten?
- Muss die Umstellung während des laufenden Betriebs erfolgen?
- Welche Teile der vorhandenen Umgebung können unverändert bleiben?
- Welche Risiken entstehen durch die jeweilige Variante?
Eine Lösungsarchitektur ist damit nicht nur eine Zeichnung der gewünschten Zielstruktur. Eine Beschreibung der Lösungsarchitektur dokumentiert grundlegende Entscheidungen darüber, wie eine konkrete Problemstellung technisch gelöst werden soll.
Warum Lösungsarchitektur praktische Auswirkungen hat
- Problem und Technik werden verbunden: Anforderungen und Randbedingungen werden in eine umsetzbare technische Struktur überführt.
- Bestehende Systeme werden berücksichtigt: Eine Lösung muss nicht zwangsläufig alles Vorhandene ersetzen.
- Abhängigkeiten werden sichtbar: Beteiligte Systeme und Schnittstellen können gemeinsam betrachtet werden.
- Alternativen können verglichen werden: Unterschiedliche Lösungswege lassen sich vor der Umsetzung untersuchen.
- Migrationen können Teil der Lösung sein: Nicht nur der gewünschte Endzustand, sondern auch der Weg dorthin kann berücksichtigt werden.
- Implementierungsdetails bleiben trennbar: Grundlegende Architekturentscheidungen können getroffen werden, ohne jedes technische Detail vorwegzunehmen.
Eine Lösung kann auch klein sein
Der Begriff Lösungsarchitektur wird häufig mit großen Unternehmenssystemen und umfangreichen Architekturdiagrammen verbunden.
Die zugrunde liegende Aufgabe hängt jedoch nicht von der Größe eines Projekts ab.
Auch eine kleine technische Änderung kann mehrere Systeme oder Randbedingungen betreffen.
Soll beispielsweise ein bestehendes Programm Daten an einen neuen Dienst übertragen, kann die relevante Lösungsarchitektur lediglich aus dem vorhandenen Programm, einer Schnittstelle, einem Datenformat und dem neuen Dienst bestehen.
Entscheidend ist nicht die Anzahl der Komponenten, sondern ob ihre Beziehungen und die grundlegenden Entscheidungen für die konkrete Problemstellung verstanden und nachvollziehbar sind.
Ebenso kann die sinnvollste Lösung darin bestehen, keine neue Komponente einzuführen, wenn das Problem mit dem vorhandenen System ausreichend gelöst werden kann.
Typisches Beispiel
Ein Unternehmen möchte ein altes Warenwirtschaftssystem ersetzen.
Mehrere andere Anwendungen greifen jedoch auf dessen Daten zu. Einige verwenden dokumentierte Schnittstellen, andere regelmäßige Exporte. Zusätzlich existieren manuelle Arbeitsabläufe, die sich über Jahre um das bestehende System entwickelt haben.
Eine Systemanalyse kann zunächst helfen, diese Zusammenhänge und Abhängigkeiten zu untersuchen.
Auf dieser Grundlage kann eine Lösungsarchitektur beispielsweise vorsehen:
- das neue Warenwirtschaftssystem einzuführen,
- bestehende Anwendungen zunächst weiterzubetreiben,
- benötigte Schnittstellen neu bereitzustellen,
- Daten schrittweise zu migrieren,
- für einen begrenzten Zeitraum alte und neue Komponenten parallel zu betreiben
- und einzelne manuelle Abläufe erst in einem späteren Schritt zu verändern.
Die Lösungsarchitektur beschreibt damit nicht nur das neue Produkt, sondern das Zusammenspiel aller für die konkrete Umstellung relevanten Bestandteile.
Abgrenzung
- Lösungsarchitektur ist nicht dasselbe wie Systemarchitektur. Systemarchitektur beschreibt die grundlegende Struktur eines Systems mit seinen Elementen und Beziehungen. Lösungsarchitektur beginnt dagegen bei einer konkreten Problemstellung oder Menge von Anforderungen. Die daraus entstehende Lösung kann mehrere Systeme und deren Architekturen betreffen.
- Auch Systemanalyse hat eine andere Aufgabe. Sie untersucht ein bestehendes oder mögliches System, seine Eigenschaften, Zusammenhänge und Alternativen. Ihre Ergebnisse können eine Grundlage für eine Lösungsarchitektur bilden.
- Systemintegration wiederum beschäftigt sich damit, unterschiedliche Komponenten oder Systeme so miteinander zu verbinden, dass sie als gewünschtes Gesamtsystem zusammenarbeiten. Integration kann deshalb ein wesentlicher Bestandteil einer Lösungsarchitektur sein.
Die Grenzen zwischen diesen Begriffen sind in der Praxis nicht immer scharf. Abhängig von Organisation, Projekt und verwendeter Methodik können sich Aufgaben und Verantwortlichkeiten überschneiden.
Weiterführend
Verwandte Begriffe
→ Systemanalyse
→ Systemarchitektur
→ Systemintegration
→ Schnittstelle
→ Verifikation und Validierung
→ Legacy-System
→ Legacy-Modernisierung
Quellen
Hauptquellen
Vertiefung
Quellen archiviert am: 2026-08-29