Alles im Abo — und nichts gehört mir

Alles im Abo — und nichts gehört mir

Software kaufte man früher einmal. Heute mietet man sie monatlich, inklusive Features die man nicht bestellt hat.

Adobe Photoshop kostete einmal 999 Euro. Man kaufte es, installierte es, nutzte es jahrelang. Heute zahlt man 35 Euro im Monat — oder man arbeitet nicht.

Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Modell.

Was sich verändert hat

Software als Einmalkauf war eine Transaktion: Geld gegen Produkt. Was danach passierte, lag beim Käufer. Updates waren optional. Die Version von vor drei Jahren lief noch. Man hatte ein Werkzeug in der Hand.

Software als Abonnement ist eine laufende Beziehung unter den Bedingungen des Anbieters. Preise ändern sich. Features verschwinden oder kommen hinzu — ob man sie will oder nicht. Google Workspace integriert Gemini in alle Tarife und erhöht den Preis. Microsoft 365 bekommt Copilot, ebenfalls inklusive, ebenfalls teurer. Die KI-Integration ist kein Angebot — sie ist eine Tatsache, für die man zahlt.

Wer kündigt, verliert den Zugang zu seinen eigenen Daten. Oder muss sie zumindest erst exportieren, in Formaten die nicht immer offen sind.

Der Unterschied liegt nicht in der Zahlungsform, sondern in zwei Fragen: Was passiert mit meinen Daten wenn ich aufhöre zu zahlen? Und wer entscheidet was das Produkt morgen ist?

Das eigentliche Problem ist nicht der Preis

Die monatlichen Beträge sind für sich genommen überschaubar. Das Problem ist die Struktur dahinter.

Ein Abonnement bedeutet: der Anbieter entscheidet kontinuierlich was das Produkt ist. Nicht einmal beim Kauf, sondern laufend. Was heute funktioniert, kann morgen kostenpflichtig werden. Was heute inklusive ist, kann morgen ein separates Paket sein. Man zahlt nicht für ein Werkzeug — man finanziert eine Plattform deren Entwicklung man nicht steuert.

Dazu kommt die Abhängigkeit. Wer drei Jahre mit einem Abodienst gearbeitet hat, dessen Daten liegen dort, dessen Workflows sind darauf aufgebaut, dessen Team kennt die Oberfläche. Ein Wechsel ist möglich, aber teuer — in Zeit, nicht in Geld. Das wissen die Anbieter.

Was stattdessen funktioniert

Software die man selbst betreibt, folgt anderen Regeln. Sie wird nicht über Nacht teurer. Sie integriert keine KI-Features ohne Rückfrage. Sie kündigt keinen Dienst ab weil die Nutzerzahlen nicht stimmen.

Das bedeutet nicht, dass Self-Hosting kostenlos ist — Server, Zeit und Wartung kosten etwas. Aber es bedeutet Kontrolle darüber was läuft, in welcher Version, mit welchen Daten.

Nextcloud statt Google Drive. Eigener Mailserver statt Google Workspace. Gitea statt GitHub. Keine monatliche Rechnung die sich ändert. Kein Feature-Bundle das man nicht bestellt hat.

Der Aufwand ist real. Die Frage ist nur: zahlt man lieber mit Geld und Kontrolle, oder nur mit Geld.

michael von den Drachen

40 Jahre mit Systemen - von Großprojekten bis eigene Projekte. Baut, betreibt, hinterfragt. Teilt Erfahrungen zwischen Technik und Philosophie.
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